Frau Anna Sebestyen
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Der Ignorant und der Wahnsinnige (Salzburger Festspiele 1972,
Landestheater) & Die Macht der Gewohnheit
(Salzburger Festspiele 1974, Landestheater)
Zwei Juwele der Theatergeschichte
stehen hintereinander auf dem
Programm. Den Beginn macht Claus
Peymanns brillante Inszenierung
von Thomas Bernhards Der Ignorant
und der Wahnsinnige, die den sogenannten
Notlicht-Skandal von 1972
auslöste. Die Ablehnung von Bernhards
Regieanweisung, am Schluss
des Stücks auch die Notbeleuchtung
abzuschalten, um die geforderte
vollkommene Dunkelheit zu erreichen,
führte zu einem unglaublichen
(Medien-)Wirbel und zum Verdikt des
Autors: „Eine Gesellschaft, die zwei
Minuten Finsternis nicht verträgt,
kommt ohne mein Schauspiel aus.“
Es kam zu keiner zweiten Vorstellung
mehr, die Schauspieler weigerten
sich aufzutreten.
Im zweiten Teil des Abends wird
Dieter Dorns Uraufführung von
Thomas Bernhards Die Macht der
Gewohnheit bei den Salzburger Festspielen
1974 gezeigt – mit dem unvergleichlichen
Bernhard Minetti als
Zirkusdirektor Caribaldi, der seit 22
Jahren mit gnadenloser Härte seine
Untergebenen zu einer Probe von
Schuberts Forellenquintett zwingt.
Das Musikstück wird zum Symbol für
das Leben selbst, wie Caribaldi sagt:
„Wir wollen das Leben nicht / aber
es muss gelebt werden.“ Es gibt kein
Entrinnen in die Utopie.
Der Ignorant und der Wahnsinnige
Regie: Claus Peymann
Dauer: 110 Minuten
Mit: Angela Schmid (Königin
der Nacht), Ulrich Wildgruber
(Vater), Bruno Ganz (Doktor), Maria
Singer (Frau Vargo), Otto Sander
(Kellner Winter)
Die Macht der Gewohnheit
Regie: Dieter Dorn
Dauer: 115 Minuten
Mit: Bernhard Minetti
(Caribaldi), Anita Lochner (Enkelin),
Fritz Lichtenhahn (Jongleur), Hans
Peter Hallwachs (Dompteur), Bruno
Dallansky (Spaßmacher)