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Das Magazin für MitarbeiterInnen von Siemens Österreich

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Management


Interview

"Die ganze Mannschaft stärker Richtung Kunden"

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Wie hilft uns die neue Organisation im Geschäft, wie begegnen wir der schlechten Wirtschaftslage in Europa und was tut Siemens für die "intelligente Fabrik"? together.magazin hat mit GD Wolfgang Hesoun gesprochen.

Fast ein Jahr liegt hinter uns, seit Siemens im Rahmen der „Vision 2020“ neu ausgerichtet wurde. Welche Vorteile ergeben sich daraus für das Unternehmen?
Mit dem Fokus auf die Wachstumsfelder entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung haben wir eine ganz klare strategische Ausrichtung. Die Digitalisierung ist kein neues Territorium für Siemens, aber eine Art neues Geschäftsmodell. Wir wollen uns die Chancen der zunehmenden Digitalisierung noch stärker erschließen. Der Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten wollen, liegt zunehmend in Softwarelösungen und intelligenter Datenanalytik.


Ein wesentlicher Aspekt der „Vision 2020“ ist die neue Organisation der Siemens AG, die seit 1. Oktober 2014 gilt. Was bringt diese Veränderung?
Die Vereinfachung der bürokratischen Strukturen können wir als Region natürlich nur unterstützen. Durch die Divisionsstruktur sollte es möglich sein, dass wir unsere Themen bei den Kunden wieder besser anbringen. Die neue Organisation gibt uns mehr Beweglichkeit, weil die kleineren Schiffe – Divisionen – gegenüber den Sektoren manövrierfähiger sind. Nichts desto trotz müssen wir unsere Ressourcen künftig noch effizienter nutzen. Außerdem müssen sich die Divisionen bewusst sein, dass sie eine neue Rolle haben. Früher hat sich der Sektor um die Strategie und die Marktdurchdringung gekümmert, jetzt hat jede Division diese Aufgabe.

Wie wirkt sich die neue Struktur auf die Siemens AG Österreich aus?
Die Neuaufstellung ist natürlich auch für die regionale Organisation relevant. Unser Hauptthema ist es, beim Kunden Bedarf zu erzeugen. Dazu müssen wir in der Region gut aufgestellt sein, denn die Kundenkontakte finden ja in der Region statt. Es gilt, die Marktdurchdringung in enger Zusammenarbeit zwischen Regionalleitung und den Verticals weiter zu verbessern.

Was können wir tun, um bei anhaltend schwacher Wirtschaftsentwicklung weiter zu wachsen?
Wenn der Markt nicht wächst, müssen wir in unseren jeweiligen Marktbereichen zusätzliche Marktanteile gewinnen. Dafür muss sich die ganze Mannschaft noch stärker Richtung Kunden ausrichten. Wesentlich ist, dass wir wissen, was der Kunde jetzt und in Zukunft braucht, damit wir entsprechende Lösungen anbieten können.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für die Siemens AG Österreich, speziell in Zentral- und Osteurpa (CEE)?
Der Bedarf in Osteuropa ist nach wie vor hoch: von der Energieversorgung über das Gesundheitswesen bis hin zu Infrastrukturthemen. Das Problem sind oft politische Unsicherheiten und die engen Budgets dieser Länder aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Deshalb müssen wir uns auf die Bereiche konzentrieren, in denen wir schon aktiv sind und unsere Marktposition dort verbessern.

Welche Auswirkungen auf unser Unternehmen haben die Krisen in unseren „assigned countries“ Israel und Ukraine?
In Israel gibt es Projekt-Verschiebungen im Energiebereich. Die Aufträge werden aber in diesem Geschäftsjahr kommen. In der Ukraine sind wir vor allem mit Metals Technologies in den Kriegsgebieten der Ostukraine betroffen, aber auch im Rest des Landes ist bei unseren Kunden Zurückhaltung zu spüren. Wir fahren unser Engagement in der Ukraine weiter auf niedrigem Niveau, bis es Zeichen für einen Aufschwung gibt.

Inwieweit trifft uns auch die gespannte politische Situation mit Russland?
Industriebtriebe - etwa in der Slowakei und Rumänien - sind stark mit Russland vernetzt und werden von Siemens beliefert. Diese Unternehmen spüren die Zurückhaltung der Investitionstätigkeiten in Russland und wir als Zulieferer merken das auch. Diesen Effekt gab es schon vor den Sanktionen, er wurde aber dadurch noch verstärkt. Ähnlich ist es bei deutschen Maschinenbauern mit hohem Russlandanteil – auch sie kämpfen mit den Auswirkungen der Krise und in der Folge auch wir als Zulieferer von Automatisierungs- und Antriebstechnik.

„Gemeinsam bringen wir Österreich voran“ heißt es in der aktuellen Image-Kampagne unseres Unternehmens. Wie wichtig ist Siemens wirklich für die Wirtschaft in unserem Land?
Wir wollen mit der neuen Kampagne gezielt darüber informieren, was unsere MitarbeiterInnen und somit Siemens für Österreich leisten. Siemens ist mit seinen Produktions- und Entwicklungsstandorten einer der größten Arbeitgeber in Österreich. Gleichzeitig sind wir für viele – um genau zu sein rund 6.600 - weitere Unternehmen im Land ein wichtiger Partner in deren Lieferkette. Wir fertigen hier mit innovativen Technologien und einzigartigem Know-how Produkte für Kunden in aller Welt. Auch investieren wir ganz bewusst in den Standort Österreich und sorgen so für wichtige Wertschöpfung in den Regionen. So haben wir erst vor wenigen Tagen die weltweit modernste Doppelarm-Schweißroboteranlage für die Fahrwerksfertigung von Schienenfahrzeugen in Graz in Betrieb genommen. Oder denken Sie an unser europaweit einzigartiges Forschungsprojekt in der Seestadt Aspern. All das macht stolz und ist oftmals zu wenig bewusst.

Stichwort Forschung – an welchen Themen arbeiten österreichische Entwickler bei Siemens?
Wenn wir unsere führende Position auf dem Weltmarkt behaupten wollen, müssen wir auch in Innovation und Forschung investieren. Dies tun wir indem wir bei Siemens in Österreich rund 1.000 MitarbeiterInnen in der Forschung beschäftigen. Die Schwerpunkte liegen dabei vor allem auf intelligenten Mobilitätslösungen, Energie-, Fertigungs- und Gebäudetechnik, integrierter Elektronik, Biotechnologie sowie System- und Software-Architektur. Die von uns entwickelten Lösungen eröffnen wirtschaftlich neue Möglichkeiten und kommen schlussendlich auf der ganzen Welt zum Einsatz.

„Industrie 4.0“ und „Intelligente Fabrik“ sind wesentliche Schlagworte, wenn es um weitere Automatisierungsmöglichkeiten in der Produktion geht. Wie trägt Siemens zu diesen Entwicklungen bei?
Hier geht es um Datenübertragung, die enge Einbindung aller Zulieferketten und die Virtualisierung von Prozessen in Entwicklung und Forschung, die bis in die Produktion hineinwirken. Gemeinsam mit Big Data soll das kundenbezogenen Nutzen bringen. Siemens Österreich arbeitet zusammen mit Universitäten und Forschungsinstituten – wie etwa der TU Wien – an Konzepten für diese Revolution in der Fertigungstechnik. Das ist für Österreich und unsere CEE Länder besonders wichtig. Hier gibt es viele für uns interessante Zulieferer großer Industriebetriebe. Wir müssen in einem Umfeld mit einer veränderten Industrieproduktion weiter mithalten können und dürfen als Wirtschaftsstandort den Anschluss nicht verpassen. Für unsere MitarbeiterInnen entstehen dabei neue Arbeitsfelder – denn einerseits braucht es gut ausgebildete Fachkräfte für die Implementierung der neuen Technologien und andererseits auch qualifizierte Arbeiter zur Überwachung der Maschinen.

Siemens und die Seestadt Aspern – was macht unser Unternehmen in Europas „smartest city“?
Nirgendwo in Europa können wir neue Siemens Technologien zur Optimierung des Energiesystems in realen Anwendungen - mit Berücksichtigung der Konsumentenbedürfnisse – erproben und dabei eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas mitgestalten. Dabei geht es beispielsweise um intelligente Energieversorgung und neue Gebäudetechnik für ökologisch nachhaltige Lösungen in Ballungsräumen. Diese Referenz in einer solchen Dimension ist in Wien und im gesamten Siemens Konzern derzeit einmalig.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Stärke unseres Unternehmens gegenüber Wettbewerbern?
Den wesentlichen Vorteil von Siemens sehe ich darin, dass wir sehr komplexe Aufgabenstellungen lösen und gemeinsam mit dem Kunden maßgeschneiderte Konzepte entwickeln können. Diese hochqualitativen technischen Angebote sind und bleiben ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Hinzu kommt sicherlich unsere breite Produkt- und Lösungspalette. Sie hilft uns gewisse konjunkturelle Schwankungen auszubalancieren und unternehmerische Flexibilität zu bewahren.

Autor:
Claus Gerhalter

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