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Digital Factory


CERN

Vom CERN bis zur U-Bahn

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Software der Siemens-Tochter ETM ist weltweit gefragt.

Der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC) am europäischen Kernforschungszentrum CERN ist die größte Maschine und auch das größte Forschungsprojekt der Welt. Kühlung, Stromversorgung und viele andere Parameter des gigantischen Projekts an der französisch-schweizerischen Grenze überwacht eine Software, die im Burgenland entwickelt wurde – und zwar vom Softwareentwickler ETM, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen der Siemens AG.

Herzstück des CERN ist der LHC, der 2008 nach mehr als 20 Jahren Planung und Bau in Betrieb genommen wurde. In dem 27 Kilometer langen unter der Erde liegenden Tunnel werden Elementarteilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und mit bisher unerreichter Wucht zur Kollision gebracht. Dabei entstehen Energien, wie sie Sekundenbruchteile nach dem Urknall geherrscht haben. Aus den extrem aufwendigen Analysen solcher Kollisionen lassen sich mit Glück und Ausdauer grundlegende Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Materie und des Universums gewinnen.

CERN wählte ETM
Mitte der 1990er wurden am CERN Technologien für die kommende LHC-Ära gesichtet und bewertet. Dazu zählte auch eine Evaluierung von SCADA-Systemen (SCADA steht für "Supervisory Controls And Data Aquisition"), die zur Steuerung und Überwachung von Industrieprozessen eingesetzt werden. Den Zuschlag für das SCADA-System erhielt im Jahr 2000 schließlich das burgenländische Unternehmen ETM. In die offene Architektur der Software "WinCC OA" lassen sich wie bei einer leeren Excel-Tabelle jeweils spezifische Anforderungen einbauen: "Durch die Skalierbarkeit, Offenheit und Flexibilität von WinCC OA kann der Anwender die passende SCADA-Lösung für seine Branche und gemäß seinen speziellen Anforderungen realisieren", sagte ETM-Geschäftsführer Bernhard Reichl im Rahmen einer von ETM organisierten Studienreise in Genf. Die ursprünglich nur für die Steuerung der LHC-Detektoren eingesetzte Software überwacht heute praktisch die komplette Infrastruktur des CERN - von der kryogenen Kühlung der supraleitenden Magneten des LHC bis zur Energieversorgung und der Ventilation.

Neben dem CERN kommt die von ETM entwickelte Software auch in anderen Forschungsprojekten zum Einsatz, wie etwa im medizinischen Teilchenbeschleuniger MedAustron in Wiener Neustadt sowie im internationalen Kernfusions-Forschungsprojekt ITER (Frankreich). Außerdem überwacht sie große Infrastrukturanlagen wie beispielsweise den Gotthard-Basistunnel, die New Yorker U-Bahn, das komplette Gasversorgungsnetz in den Niederlanden (12.000 km), die längste Pipeline der Welt (4.400 km, China), oder in Wien die Stationsleittechnik der U-Bahn und die Energieversorgung des Straßenbahn-Netzes.
Das Unternehmen mit Sitz in Eisenstadt beschäftigt rund 140 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von rund 26 Millionen Euro. Künftig möchte man auch in neue Bereiche vordringen: "Ein weiterer starker Fokus bei der Erschließung neuer Branchen liegt auf den Bereichen Airports und Aerospace", so Reichl.

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