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Mobility


Mobilität im Wandel

Bewegungsfreiheit

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Vom Antrieb bis zur Wahl des Fortbewegungsmittels.

In zehn Jahren werden die Menschen dank Digitalisierung und Home Office weniger unterwegs sein und dadurch weniger Verkehr verursachen, meint VCÖ-Verkehrsexperte Christian Gratzer.

Wege werden verstärkt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Der Sharing-Gedanke bei Fahrzeugen wird stärker ausgeprägt sein, wir werden mehr elektrische Antriebe und umweltfreundliche Logistik, etwa Micro-Hubs – Anlieferung von Container mittels Lkw, Feinverteilung durch Cargo-Bikes – sehen.

Arnulf Wolfram, Leiter Mobility bei Siemens Österreich, sieht die größten Veränderungen auf die Städte zukommen. "Sie nehmen zwei Prozent der Erdoberfläche ein, beherbergen aber die Hälfte der Weltbevölkerung." Städte verbrauchen 75 Prozent der Energie und verursachen 80 Prozent aller CO2-Emissionen. Eine Notwendigkeit ist für ihn daher der Ausbau des schienengebundenen öffentlichen Verkehrs, von E-Mobilität und autonom fahrenden Systemen. Stolpersteine ortet Christian Gratzer vom VCÖ beim "zu langsamen und falschen Infrastrukturausbau". Anstatt in die Zukunft zu blicken, orientiere man sich am Bedarf der Gegenwart und Vergangenheit. Der Bau einer neuen Infrastruktur ist ein Langzeitprojekt und brauche durchaus 20 bis 30 Jahre, meint hingegen Wolfram.

Neue Lösungen durch Digitalisierung

Wichtig ist der Ausbau von Rad- und Fußwegen und von öffentlichen Verkehrsmitteln. Jedes der regionalen Zentren sollte mit Bahn und Bus erreichbar sein, ergänzt um bedarfsorientierte Angebote wie Sammeltaxis oder selbstfahrende Busse – denn vorrangiges Ziel muss es laut Siemens-Experten Wolfram sein, die Nutzungsraten und die Auslastung der bestehenden Öffis zu steigern und die Öffinetze auszubauen. "Hier kann Digitalisierung hilfreich sein, weil sie oft völlig neue Lösungen ermöglicht: Neben automatisierten U-Bahnen etwa die vorausschauende Wartung. Über Apps werden Fahrgäste und Verkehrsteilnehmer in Echtzeit mit Verkehrsinfos versorgt", so der Fachmann.

Digitalisierung erleichtert auch die Anknüpfung zu Sharing-Angeboten, wo autonome Systeme ihre Vorteile ausspielen können. Ohne Digitalisierung ist die Lösung der Herausforderungen im Verkehrsbereich Wolfram zufolge gar nicht mehr denkbar. Um mehr Intelligenz, Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu erreichen, brauche es Daten und eine entsprechende Analyse. Allerdings: Nicht jeder "kann" digital. "Es wird immer Gruppen geben, die weiterhin analoge Informationen und Angebote nutzen", weiß VCÖ-Experte Gratzer. Die einfachste und kostengünstigste Fortbewegungsform wird auch in Zukunft das Gehen sein, gefolgt vom Radfahren.

Gesamtheitliche Forschung

Für den Geschmack des VCÖ findet zu wenig Forschung im Bereich der klimaverträglichen Mobilitätsformen wie Gehen, Radfahren, Öffi-Verkehr statt, und zu sehr im Feld einzelner Antriebstechnologien und im Kfz-Bereich. Auch AIT-Experte Klamminger findet es wenig zielführend, sich nur auf einzelne Technologien zu fokussieren. "Wesentlich ist das Zusammenspiel der Elemente, die Konvergenz der technologischen Bereiche, der Business-Segmente - und das heruntergebrochen auf die drei Säulen Individualverkehr, Logistik und Transport sowie Infrastruktur - gerade in diesem Bereich ist besonders viel Forschung notwendig."

Was Antriebssysteme betrifft, will sich niemand festlegen, welches sich in den nächsten Jahren am stärksten durchsetzen wird. Es sei naheliegend, dass es für unterschiedliche Zwecke unterschiedliche Technologien geben wird, meint Arnulf Wolfram. Siemens arbeite derzeit daran, Züge mit Akkus auszustatten, damit Eisenbahnunternehmen ihre mit Diesel betriebenen Fahrzeuge ausmustern können. Und erweist sich ein gemeinsames Pilotprojekt mit Voestalpine und Verbund als erfolgreich, umweltfreundlich erzeugten Strom in Form von Wasserstoff zu speichern, dann könnte dieser "auch im Pkw-Bereich einen Schub erleben".

Aus Sicht des VCÖ ist hinsichtlich des UN-Klimaabkommens klar, dass die Ära des Verbrennungsmotors zu Ende geht. "Im Bereich der Pkw wird sich aus heutiger Sicht der Elektro-Motor durchsetzen", so Gratzer. Bei Lkw und Bussen dagegen werde Wasserstoff die Nase vorn haben. Das Beispiel Zillertalbahn zeige, dass auch bei noch nicht elektrifizierten Regionalbahnen der Wasserstoff Zukunft habe.

Der Stellenwert des autonomen Fahrens wird steigen, sind sich die Experten einig. "Auf der Straße werden autonome Fahrzeuge eher die herkömmlichen Autos verdrängen und dort Marktanteile erobern", schätzt Arnulf Wolfram. Zusätzlich würden autonome Systeme stark im Sharing-Bereich zum Einsatz kommen und dort ihre Vorteile ausspielen. Das Plus bei der Mobilität könne so abgefedert werden, ergänzend dazu sei aber der Ausbau attraktiver öffentlicher Verkehrsmittel unumgänglich.

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