together.magazin

Das Magazin für MitarbeiterInnen von Siemens Österreich

together.magazin - Das Magazin für MitarbeiterInnen von Siemens Österreich

Healthcare


Kabelloser Ultraschall

Neue Freiheit

kabelloser Ultraschall

Interview mit Dr. Gerhard Mostbeck, Vorstand des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Wiener Wilhelminenspital und des Institutes für Röntgendiagnostik im Otto Wagner Spital, Wien.

Im Wilhelminenspital wurde ein kabelloses Ultraschallsystem von Siemens installiert. Was bringt diese neue Technik?
Bisher waren bei der Ultraschallbildgebung die Kabel, die die Schallköpfe zur Datenübertragung mit dem Ultraschallgerät verbinden, eine unangenehme Notwendigkeit. Sie schränken die Bewegungsmöglichkeit des Arztes ein, der den Schallkopf direkt am Körper ansetzen und zusätzlich das Gerät bedienen muss. Und sie stellen auch ein hygienisches Problem dar, was speziell bei Interventionen relevant ist. Selbst wenn die Kabel mit einer sterilen Schutzhülle umgeben werden, bleibt ein Infektionsrisiko bestehen. Der neue Schallkopf ist ein geschlossenes Gerät, das zur Gänze in Sterilisationslösung getaucht werden kann. Die Geräteeinstellungen lassen sich über Tasten auf diesem Kopf via Fernbedienung verändern. Mit kabellosen Geräten wird Ultraschall mehr als bisher in der interventionellen Medizin eingesetzt werden.

Für welche konkreten Anwendungen werden Sie das neue System nutzen?
Die feingewebliche Abklärung von Tumoren im Bauchraum, in Leber, Niere oder Bauspeicheldrüse sind wichtige Themen. Gezieltes Biopsieren wird optimal unterstützt – die Nadel ist im Ultraschall sehr gut sichtbar. Schon jetzt wird Ultraschall sehr häufig bei Mamma-Biopsien eingesetzt. Auch die Durchführung von Nervenblockaden ist nun mit Ultraschall leichter möglich. In der Angiographie unterstützt Ultraschall den Zugang zu Gefäßen, und in interdisziplinärer Verwendung in der Angiografie hilft der kabellose Schallkopf beim Legen venöser Zugänge. Auch die Interventionen an den Gallenwegen werden einfacher sein.

Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit Ultraschall?
Ich arbeite schon seit 1985 mit Ultraschall. Damals gab es noch kein CT und MR und Ultraschall war das einzige Schnittbildverfahren. Die bekanntesten Anwendungen waren anfangs die Pränataldiagnostik, bald die Echokardiografie und die Darstellung des Abdomens und des Retroperitoneums. Inzwischen nutzen neben den Radiologen die unterschiedlichsten medizinischen Fachrichtungen Ultraschall. Und die Qualität der Bildgebung hat sich inzwischen stark verbessert.

Welche technischen Entwicklungen haben besonders viel gebracht?
Mit Dopplerverfahren sind präzise Aussagen über den Blutfluss und damit das Ausmaß von Durchblutungsstörungen möglich geworden. Ursprünglich gab es nur 2D-Bilder. Nun gibt es Ultraschall in 3D und 4D. Die Kontrastauflösung wurde stark verbessert. Bei der Elastographie wird zusätzlich die Steifigkeit des Gewebes zur Diagnostik von malignen Veränderungen berücksichtigt. Durch den Einsatz von Kontrastmitteln (contrast enhanced US, CEUS) lassen sich Makro- und Mikrovaskularisation besonders gut darstellen. Die Geräte werden immer kleiner und mobiler. Sie werden im Notfallhubschrauber eingesetzt oder direkt am Krankenbett, um ganz konkrete Fragen zu beantworten: etwa, ob ein Patient Flüssigkeit im Bauchraum hat, ob Gallensteine für seine Beschwerden verantwortlich sind und vieles mehr.

Welche Vorteile hat Ultraschall gegenüber anderen Verfahren?
Beim Ultraschall wird der Patient keiner Strahlenbelastung ausgesetzt. Daher ist dieses Verfahren für Kinder die erste Wahl, weil sie besonders strahlenempfindlich sind. Die Untersuchung kann beliebig oft wiederholt werden. Der Arzt hat direkten Kontakt zum Patienten, der zeigen kann, an welcher Stelle er Schmerzen hat. Ultraschall ist ein preiswertes Verfahren, beansprucht allerdings viel ärztliche Arbeitszeit, wenn wie in Mitteleuropa ÄrztInnen die Untersuchungen selbst durchführen. Daher wurden auch schon automatisierte Verfahren, z.B. an der Mamma, getestet. Ein Nachteil des US ist die fehlende Nachvollziehbarkeit und weniger umfassende Dokumentation, im Vergleich zu CT und MR. Der Arzt entscheidet und trägt die Verantwortung für den Befund. Ultraschall erfordert eine gute Ausbildung und viel Übung. Die Koordination der Bewegung des Schallkopfs mit der Hand, der Bedienung des Gerätes und der Beobachtung des Bildschirms ist nicht einfach.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Besonders interessant ist derzeit eine Fusion von US-Bilddaten mit CT und MR. Der Bildschirm zeigt in diesem Fall eine Kombination aus CT-oder MR-Bild und Realtime-Ultraschall. Damit ist eine Biopsie auch von Läsionen im US möglich, die dort nur schlecht erkannt werden können, verbunden mit weniger Patientenbelastung.

Interview:
Elisabeth Dokaupil

Bewertung:
3,0 (1.751 Stimmen)
Ihre Bewertung