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Das Magazin für MitarbeiterInnen von Siemens Österreich

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Smart Infrastructure


Emissionsfrei unterwegs

Straßen unter Strom

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Emissionsfrei transportieren: E-Truck unterwegs auf der neuen Teststrecke.

Gütertransport auf dem "eHighway".

Elektrischer Güterverkehr auf der Schiene gilt zu Recht als besonders leistungsfähig, energieeffizient und umweltfreundlich. Der von Siemens entwickelte „eHighway“ bringt diese Vorteile auch auf die Straße. Mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, ist nicht immer möglich. Dann muss ein zuverlässiger und möglichst umweltschonender LKW-Transport diese Aufgaben übernehmen. Weil aber elektrisch angetriebene Fahrzeuge ökologisch wie ökonomisch die besseren Voraussetzungen bieten, hat Siemens schon 2011 den „eHighway“ entwickelt - ein ganzheitliches Konzept zur Elektrifizierung von LKW. Das Prinzip: Mit Hybridantrieb und intelligenten Stromabnehmern ausgerüstete E-Trucks können sich während der Fahrt wie Trolley-Busse aus Oberleitungen mit elektrischer Energie versorgen und fahren dann lokal emissionsfrei. Auf einer eigens dafür errichteten Teststrecke in Groß Dölln im deutschen Bundesland Brandenburg wurden Infrastruktur und Fahrzeuge erprobt, das System auf wirtschaftliche Machbarkeit geprüft und sein Potenzial zur CO2-Senkung ermittelt.

Alternative "eHighway"
Im aktuellen Folgeprojekt, das von 2012 bis 2014 läuft, stehen nun die optimierte Integration von Antriebstechnik und Stromabnehmer in das Fahrzeug sowie die Bereitstellung der erforderlichen Verkehrssteuerungssysteme im Mittelpunkt.  Dabei arbeitet Siemens mit dem Nutzfahrzeughersteller Scania zusammen, die wissenschaftliche Begleitforschung führt unter anderem die TU Dresden durch. Ziel ist es, den „eHighway“ als auf öffentlichen Straßen einsetzbares Gesamtsystem zu entwickeln und alle damit zusammenhängenden technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen zu klären.

Teststrecke mit 90 km/h-Kurve
Für dieses zweite Forschungsprojekt wurde in Groß Dölln eine neue, erweiterte Teststrecke in Betrieb genommen, die den Bedingungen eines realen Betriebs angepasst ist. Sie erhielt eine mit bis zu 90 km/h durchfahrbare Kurve mit einer neu entwickelten, dem Kurvenverlauf angepassten Fahrleitung. Ebenfalls installiert wurden eine Schilderbrücke und ein Kragarm mit Verkehrsschild, wie sie auf Fernverkehrsstraßen üblich ist. Weil die Oberleitung im sicheren Abstand unter den Verkehrsschildern durchgeführt werden muss, wurden Kettenwerk und Tragseil so abgesenkt, dass der Stromabnehmer auch bei voller Fahrt durchgängig Kontakt halten kann.

Ökologisch und ökonomisch besonders sinnvoll ist das Konzept des „eHighway“ auf stark frequentierten Fernverkehrsrouten sowie bei Pendelverkehren zwischen Häfen oder Fabrikanlagen und Güterverkehrszentren sowie zwischen Gruben oder Minen und zentralen Umladeplätzen.

Pilotprojekte: Eisenerz-Transport in Schweden
Die ersten Pilotprojekte werden schon konkret: In Schweden hat das schwedische Zentralamt für Verkehrswesen, Trafikverket, eine Ausschreibung zu Pilotstrecken für schwere elektrische Nutzfahrzeuge mit kontinuierlicher Stromversorgung initiiert. Ziel ist die Gegenüberstellung und Evaluierung verschiedener Systeme im Vorfeld der Entscheidung, welche Technologie Schweden in die nationale Verkehrsplanung aufnehmen wird. Kommt ein „eHighway“-Pilotprojekt zustande, könnte es als weltweit erste Anwendung dieses Systems im öffentlichen Raum Schweden dabei helfen, bis 2030 einen von fossilen Brennstoffen unabhängigen Transportsektor zu realisieren. Neben anderen Branchen könnten vor allem schwedische Eisenerz-Bergwerke wie das Kaunisvaara-Projekt bei Pajala nahe der schwedisch- finnischen Grenze nachhaltig davon profitieren: Statt das im Tagebau gewonnene Roherz per Diesel-LKW gut 150 Kilometer weit zur schwedischen Erzbahn zu transportieren, könnte dies künftig umweltschonend per E-Truck geschehen.

Los Angeles und Long Beach
In Kalifornien will Siemens zusammen mit dem Fahrzeughersteller Volvo und lokalen LKW-Umrüstern ein Pilotprojekt der regionalen Behörde zur Überwachung der Luftqualität, des South Coast Air Quality Management District (SCAQMD), realisieren. Dabei werden im Umfeld der Häfen von Los Angeles und Long Beach verschiedene LKW-Konfigurationen im Zusammenwirken mit der „eHighway“-Infrastruktur demonstriert. Künftig soll auf dem Interstate-Highway 710 zwischen den beiden Seehäfen und den rund 30 Kilometer entfernten Eisenbahn- Umschlagzentren im Landesinneren ein „Zero Emission Corridor“ für emissionsfreien Shuttleverkehr mit E-Trucks eingerichtet werden, der die smoggeplagte Region entlastet. Die Projektplanung läuft bereits.

Autorin:
Elisabeth Dokaupil

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